Die Darmflora beim Hund-Mikrobiota

Die intestinale Mikrobiota des Hundes setzt sich aus einer Vielzahl an Bakterien, Viren, Pilzen und Protozoen zusammen und stellt ein komplexes Ökosystem dar. Jedes Tier besitzt eine individuelle Keimflora. Sie stellt ein dynamisches System dar, das von zahlreichen äußerlichen und innerlichen Faktoren abhängig ist. Die Darmmikrobiota ist unter anderem abhängigvon den jeweiligen Fütterungsgewohnheiten, vorheriger Antibiotika -therapie, der Gabe von Prä- und Probiotika sowie von individuellen Faktoren wie Alter und genetischen Komponenten.

 

Die Mikrobiota beim adulten Hund

Im Magen des Hundes wurden vorwiegendHelicobacter spp. nachgewiesen, die oberflächlich auf der Magenschleimhaut wie auch intramukös vorkommen. Die aeroben und anaeroben BakterienClostridia, Lactobacillales undProteobacteria besiedeln den Dünndarm, während im Dickdarm anaerobe Bakterien wie Clostridiales, Bacteroides,Prevotella und Fusobacteria vorherrschen. Im Gegensatz zum Magen wurden Bakterien im gesunden Dünn- und Dickdarm nicht innerhalb der Schleimhaut nachgewiesen.

 

Die Mikrobiota beim Welpen

In einer aktuellen Studie wurde die Kotmikrobiota von Welpen molekularbiologisch über die Analyse des bakteriellen16S rRNA-Genoms bestimmt. Die Kotproben wurden zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Geburt bis zum Absetzen untersucht.In diesem Zeitraum (Tag 2 bis Tag 56post partum) wurde eine deutliche Veränderungvon einer neonatalen Kotflora in Richtung der adulten Mikrobiota zum Zeitpunkt des Absetzens festgestellt. Mit steigendem Alter der Welpen kommt es zu einer Zunahme der Bakterienvielfalt  so wie zu einer Verschiebung in Richtung eines vorwiegend anaeroben Milieus. Die Anteile an Clostridien-Spezies und E. coli nehmen ab, während die obligat anaeroben Bakterien Bacteroidetes, Fusobacteria und Firmicutes dominieren.

 

Die Mikrobiota bei akuten und chronischen Darmerkrankungen

Bei akuten Diarrhoen wurden sowoh ldurch kulturelle wie auch durch molekularbiologische Untersuchungstechniken starke Veränderungen im Vergleich zur gesunden Mikrobiota festgestellt. Akute hämorrhagische Diarrhoen führen zu massiven Veränderungen der intestinalen Mikrobiota. Im Vergleich zum gesunden Hund war die Vielfalt und die Menge an bestimmten Mikroorganismen erniedrigt. Dies traf besonders auf die Bakteriengattungen Blautia spp., Turicibacterspp. und Ruminococcus/Faecalibacterium zu. E. coli und Clostridium perfringens waren dagegen vermehrt vertreten. Bei chronischen Enteropathien wie IBD kommen in einer aktiven Krankheitsphase besonders erniedrigte Gehalte an Faecalibacterium und Fusobacteria vor, während beide Bakteriengattungen bei Hunden in einer klinisch nicht aktiven Krankheitsphase nachweisbarwaren und kein Unterschied zu gesunden Hunden feststellbar war. Bei humanen IBD-Patienten wurden häufig auch niedrige Gehalte an Faecalibacterium prausnitzii in der Darmflora beschrieben. E. coli kam bei IBD in der Kotflora vermehrt vor, während Clostridien und Bacteroides weniger nachgewiesen wurden.

 

Die Funkion der intestinalen Mikroflora

Die intestinale Mikrobiota erfüllt eine Vielzahl an positiven Aufgaben für den Wirt. Sie stellt zum Beispiel eine Barrierefunktion für pathogene Bakterien und Endotoxine dar, indem sie Adhäsionsstellen an der Darmschleimhaut besetzt, um Nährstoffe konkurriert und durch ihre Stoffwechselprodukte ein Milieu schafft, das für nicht residente Bakterien ungeeignet ist. Weiterhin ist die intestinale Mikrobiota an der Entwicklung einer physiologischen Schleimhautstruktur beteilig tund trägt beim Jungtier zur Entwicklung der oralen Toleranz bei. Viele Clostridien-Spezies sowie Faecalibacterium und Ruminococcaceae produzieren durch die Metabolisierung von komplexen Kohlehydraten kurzkettige Fettsäuren wie Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure. Diese dienen einerseits als Energiequelle für den Wirt, andererseits haben sie wichtige Aufgaben  unter anderem bei der Regulierung der Darmmotilität, sie stellen Wachstumsfaktoren für Epithelzellen dar und wirken immunmodulatorisch. Diese immunmodulatorischen Metaboliten können die Expression von Interleukinen und Mucin-Genen beeinflussen, die unter anderem zur Festigung der Tight-junctions beitragen.